New Work: Der Traum von der schönen neuen Arbeitswelt. Ausgeträumt?

Arbeiten im New Work Zeitalter ist bunt: Bei Google ist Treppensteigen zum Beispiel schon lange out. Hier rutschen Mitarbeiter von einer Etage zur anderen. Andere Arbeitgeber, die dem New Work-Virus anheimgefallen sind, haben Meetingräume, die aussehen wie Urwaldoasen. Der Phantasie sind hier praktisch keine Grenzen gesetzt. Schön und gut. Damit der Traum von der schönen neuen Arbeitswelt aber wirklich aufgeht, müsste erstmal etwas ganz anderes angepasst werden: Die Art und Weise, wie Führung gelebt wird.

New Work = innovatives Arbeitsumfeld

Studien pfeifen es wie die Spatzen von den Dächern: Wer seinen Mitarbeitern ein innovatives Arbeitsumfeld kredenzt, darf sich Hoffnung auf eine gesteigerte Mitarbeiterbindung machen. Und auch ansonsten soll alles besser werden. Steigende Umsätze, eine höhere Innovationsdichte und mehr Bewerber, die sich von den Bedingungen im Unternehmen wie magisch angezogen fühlen.

Entsprechend zeichnen immer mehr Arbeitgeber nach außen das Bild vom hippen Unternehmen: Mitarbeiter, die knallige Post-its am Wände pappen, gemeinsam in interaktiven To-do-Listen arbeiten – und all das in einem Umfeld, das moderner nicht sein. Viele Offices haben inzwischen ihren Bürocharakter verloren und kommen eher daher wie Hipster-Lounges mit Ohrensesseln und Retro-Beleuchtungsmitteln. Alles ist auf Gemütlichkeit getrimmt.

New Work: klassische Hierarchien sind out

Die Message dahinter: klassische Hierarchien sind out, gearbeitet wird agil und teamübergreifend. Das ist New Work. Und auch das: Mitarbeiter wählen ihren Chef demokratisch und diskutieren regelmäßig die Zwischenergebnisse ihrer Projekte auf Augenhöhe. Dahinter steckt die Idee, dass New Work Mitarbeitern mehr Freiräume lassen soll, damit diese ihr volles Potenzial entfalten können.

Daran ist auch gar nichts verkehrt. Damit dieses Ansinnen aber gelingt, braucht es keine Ohrensessel und Sofas. Erst einmal bedarf es Strukturen, die schnelle Entscheidungen und ein rasches Ausprobieren neuer Ideen ermöglichen. Und es braucht Leader, die sich nicht als Verwalter und Kontrolleure begreifen, sondern als Möglichmacher und Ermutiger. All das geht nicht über Nacht.

Und genau hier liegt das Problem: Schwierig wird es, wenn Unternehmen, die dem New-Work-Hype unterliegen, alles schnellstmöglich umsetzen und der Firma einen neuen Anstrich geben wollen. Dazu drehen sie in erster Linie optisch alles auf links, scheuen aber im Inneren oft die Operation am offenen Herzen.

Change Management ist der Enabler für New Work

Doch New Work ist mehr, als sich vorzunehmen, dass ab sofort anders gearbeitet wird. Es ist ein kompletter organisationaler Change, der vorbereitet, begleitet und kontinuierlich weiterentwickelt werden will. Und das hochindividuell. Denn jedes Unternehmen hat seine eigene DNA, Kultur, Historie und beschäftigt seine eigenen Persönlichkeiten.

Daher ist New Work im ersten Schritt vor allem eine Frage der richtigen Führung. Denn all der schöne Schein nutzt nichts, wenn Mitarbeiter orientierungslos sind und nicht wissen, wie sie künftig zusammenarbeiten sollen, weil ihnen die Anleitung dazu fehlt. Umso gefestigter müssen Führungskräfte in ihrem Vorgehen sein.

Leadership im New Work Zeitalter

Für Führungskräfte bedeutet New Work:

  • Sie verzichten auf Hierarchie und Kontrolle und setzen auf Vertrauen, Transparenz und Partizipation.
  • Sie begeistern Mitarbeiter, sie hören ihre Ideen an, ermutigen sie zur Umsetzung oder üben konstruktiv Kritik.
  • Sie motivieren ihre Mitarbeiter zu mehr Selbstorganisation und Eigeninitiative.
  • Und: Arbeitnehmer müssen von ihnen lernen, sich auch mal was zu trauen, indem sie sich von der eigenen Komfortzone verabschieden, Ideen präsentieren und als mündiger Mitarbeiter auch hier und da mal Rückschläge in Kauf nehmen. Nicht immer kommen Ideen an oder zünden wie gedacht. Auch dazu müssen Führungskräfte im Digitalzeitalter anleiten und ermutigen.

Dazu muss die oftmals leere Worthülse „New Work“ mit Inhalten gefüllt werden. Sprich: Inhaber und Entscheider brauchen passgenaue Führungsinstrumente, mit denen sie den New Work Gedanken von innen heraus leben können. Das erfordert viel Training, Feedback, Frusttoleranz und eine gewisse „Steh-auf-Mentalität“ von denen, die sich das Abenteuer Führung in der Digital Economy „antun“.

New Work erfordert einen Denkwandel

Vor allem aber erfordert New Work einen Denkwandel. New Work ist eben nicht das einfache Rezept, um komplexe Herausforderungen zu meistern. New Work ist der wohl komplexeste Organisationsumbau, den Betriebe je meistern mussten.

Es gilt:

  • Kunden und Mitarbeiterinteressen auf sinnvolle Weise zusammenzubringen
  • Gute Arbeit und funktionierende Wertschöpfungsprozesse zu schaffen, statt sinnlose Happiness-Parolen auszurufen oder Versprechen, die keiner halten kann.
  • Einen echten Unternehmens-Umbau von innen heraus zu steuern statt noch eine und noch eine Lümmelecke zu bauen.
  • Führungskräften die notwendige Zeit für ihre Führungsaufgaben zu verschaffen, statt sie eine Excelliste nach der anderen schreiben zu lassen.

Fazit: Unternehmen weiterzuentwickeln ist alles andere Kinderspiel – hier sind Profis statt Polemikern gefragt. Statt überzogene Erwartungen an den modernen Führungshero zu stellen und ihn auf seiner Reise allein zu lassen, sollte ein extern begleiteter Dialog und eine echte, zielgerichtete Entwicklung in Workshops, Diskussionsrunden und Coachings stattfinden. Das ist New Work – nicht der tägliche Obstkorb. Der ist sicher auch wichtig. Aber erst dann, wenn Entscheidungsgremien ihre Hausaufgaben gemacht haben.

 


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