Babyboomer gehen nicht, weil sie müde sind. Sie gehen, weil wir sie nicht halten.

Warum verlassen Babyboomer den Arbeitsmarkt wirklich? Zahlen, Hintergründe und konkrete Maßnahmen für Betroffene, Führungskräfte und HR, damit wertvolle Erfahrung im Unternehmen bleibt.

Aktuell werde ich von Kunden, Kollegen und Freunden oft gefragt, was ich von der Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt halte. Meine ehrliche Antwort heißt dann: Wir verschwenden gerade ein enormes Potenzial, und viele Unternehmen merken es erst, wenn die Tür schon zu ist.

Babyboomer gehen nicht, weil sie müde sind. Sie gehen, weil wir sie nicht halten.

Die Generation der Babyboomer, aber auch viele erfahrene Fach- und Führungskräfte 50+, verabschieden sich in Scharen aus dem Arbeitsleben. Die einen gehen in den regulären oder vorgezogenen Ruhestand, die anderen werden von Reorganisationen erfasst und aus dem Unternehmen gespült. Sie hinterlassen eine Lücke, die wir kurzfristig vielleicht kaum spüren, mittelfristig aber zu echten Problemen führen wird. Und diese Lücke lässt sich nicht einfach durch Recruiting-Kampagnen oder KI-Tools schließen, denn es geht viel Erfahrung verloren.

Fachkräftemangel 2025/2026: Was die aktuellen Zahlen wirklich bedeuten

Die Datenlage ist eindeutig, und sie wird von Jahr zu Jahr drängender.

Das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung warnte 2025, dass das Arbeitskräftepotenzial bis 2035 um bis zu 4,7 Millionen Personen sinken könnte. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung bringt es auf den Punkt: Aktuell verlassen jedes Jahr 900.000 Menschen den Arbeitsmarkt durch Verrentung, während nur 750.000 Jüngere nachrücken. Und das bedeutt die Lücke wächst. Jeden Tag.

Dabei gibt es Hebel, an denen wir ansetzen können. Eine höhere Erwerbsbeteiligung von Frauen, besonders in Westdeutschland, gezielte Qualifizierung und das aktive Halten erfahrener Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer könnten den Verlust rechnerisch ausgleichen. In diesem Text schauen wir uns den letzten Punkt genauer an: Warum gehen die Silver Ager, und was müsste passieren, damit sie bleiben?

Warum Babyboomer den Arbeitsmarkt wirklich verlassen

Ich habe in den vergangenen Monaten mit vielen Fach- und Führungskräften der Generation 50+ gesprochen. Der Frust sitzt tief. Nicht weil die Arbeit sie erschöpft hat, sondern weil das Signal, das sie empfangen, lautet: Du wirst bald nicht mehr gebraucht.

Wer sich dazu bekennt, noch länger als bis zum Vorruhestand arbeiten zu wollen, gilt schnell als Ausnahme oder Sonderfall. Personalstände werden geglättet, Stellen gestrichen, und als Begründung dient häufig der Verweis auf Automatisierung und KI. Das trifft nicht nur Ältere, aber diese finden im Anschluss besonders schwer eine neue Chance, während sich bei Hochschulabsolventen der Berufseinstieg lediglich um einige Monate verzögert.

Menschen verlassen den Arbeitsmarkt nicht, weil sie müde vom Arbeiten sind. Sie verlassen ihn, weil sie es satthaben, nicht gesehen zu werden. Nicht wertgeschätzt zu werden. Nicht gut geführt zu werden.

Wer 30 Jahre verlässlich Leistung gebracht, Krisen überstanden, Teams aufgebaut und Wissen weitergegeben hat, zieht eine logische Konsequenz, wenn am Ende kein ehrliches Gespräch darüber folgt, was er oder sie sich für die letzten Berufsjahre wünscht.

Prof. Dr. med. Hans Martin Hasselhorn von der Bergischen Universität Wuppertal fasst es in der Studie „lidA – leben in der Arbeit“ zusammen: Jede und jeder dritte Babyboomer in Deutschland leidet unter schlechter Arbeit. Das ist kein Randproblem. Das ist eine strukturelle Herausforderung, die in Zeitlupe wächst.

Die Stärken der Babyboomer-Generation: Kompetenzen, die zeitlos sind

Es lohnt sich, einen Blick darauf zu werfen, was diese Generation wirklich mitbringt. Es geht nicht nur um Fachwissen. Es geht um Haltung, Erfahrung und Werte, die sich nicht ohne Weiteres ersetzen lassen.

Verlässlichkeit

Babyboomer haben gelernt, Dinge zu Ende zu bringen. In einer Welt voller Ablenkungen ist das kein kleines Asset, es ist ein riesiges.

Institutionelles Gedächtnis

Jahrzehnte an Erfahrung, gewachsene Netzwerke, Kundenbeziehungen und internes Know-how stecken nicht in einem Handbuch. Sie stecken in Menschen. Und wenn diese Menschen gehen, nehmen sie das alles mit.

Lösungsorientierung

Wer 30 Jahre Krisen, Transformationen und Umstrukturierungen erlebt hat, verliert nicht so schnell die Nerven. Die Ruhe und den Überblick im Chaos zu bewahren ist eine Kompetenz, die man nicht in einem Seminar erwirbt.

Loyalität

Babyboomer wechseln seltener den Job. Was manche als Inflexibilität lesen, ist in Wahrheit eine tiefe Bindung an das Unternehmen, an Aufgaben und an Sinn.

Mentoring-Kompetenz

Keine Generation kann jüngere Kolleginnen und Kollegen so authentisch begleiten wie jene, die den Weg bereits gegangen ist. Ihr Pfund ist nicht Theorie, sondern gelebte Erfahrung.

Diese Werte sind keine Nostalgie.
Sie sind ein strategischer Wettbewerbsvorteil, wenn man sie nutzt.

Babyboomer im Job: Tipps für den Verbleib und Wiedereinstieg

Ich richte mich jetzt direkt an alle erfahrenen Experten und Expertinnen, die noch etwas bewegen wollen. Die merken, dass sie noch genug Power und Energie haben, ihre Ideen einbringen wollen und etwas bewriken wollen.

Klar ist der Arbeitsmarkt gerade nicht einfach ist und es ist extrem frustrierend auf Bewerbungen keine Antwort zu bekommen, genaus wie Prozesse, die sich anfühlen, als wäre man unsichtbar. Das Gefühl, dass jünger sein plötzlich wichtiger ist als besser sein.

Das ist real. Und es ist ungerecht.

Aber gebt nicht auf. Nicht wegen eines schlechten Prozesses, nicht wegen einer Unternehmenskultur, die noch nicht verstanden hat, was sie an euch hätte.

Der Markt dreht sich, und er dreht sich schnell. Der Fachkräftemangel ist keine Prognose mehr. Er ist gelebter Alltag in fast jedem Unternehmen. Die, die jetzt klug handeln, holen euch bereits. Die anderen werden es bald müssen.

Was ihr konkret tun könnt

Netzwerk zeigen weiter ausbauen.
Es ist euer größtes Kapital. Unterschätzt es nicht und baut es weiter aus.

Offen kommunizieren.
Sprecht darüber, was ihr wollt: Teilzeit, Projektarbeit, Mentoring, Beratung. Flexibilität ist kein Zeichen von Schwäche, sondern ein attraktives Angebot.

Den richtigen Arbeitgeber suchen.
Es gibt Unternehmen, die Erfahrung als Ressource verstehen, und sie wachsen. Schaut auch über den eigenen Branchentellerrand. Warum nicht einen Quereinstieg wagen?

Unbequeme Wahrheiten ansprechen.
Wer 30 Jahre Erfahrung hat, darf auch mal sagen, was nicht funktioniert.

Mitarbeiterbindung älterer Arbeitnehmer: Drei Hebel für Führungskräfte und HR

Die gute Nachricht: Wer jetzt aktiv wird, hat echte Chancen, erfahrene Mitarbeitende zu halten. Drei Hebel wirken besonders stark.

Hebel 1: Gute Führung und echte Wertschätzung

Führungskräfte, die Personalentwicklung aktiv betreiben und passende Rollen für erfahrene Mitarbeitende bereitstellen, erzielen einen klaren Return on Investment: mehr Bindung, mehr Motivation und schlicht mehr Jahre, die erfahrene Kolleginnen und Kollegen im Unternehmen bleiben.

Hebel 2: Mehr Selbstbestimmung ermöglichen

Ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer wollen selbstbestimmter leben und arbeiten. Wer das ernst nimmt, schafft Rahmenbedingungen, die gar nicht teuer sein müssen, aber enorm viel bewirken.

Hebel 3: Einfach fragen und zuhören

Die Studie von Prof. Hasselhorn gibt klare Hinweise: 75 Prozent aller Personen mit Frühausstiegswunsch wären unter bestimmten Bedingungen bereit, länger zu arbeiten. Am häufigsten genannte Bedingungen: freie Bestimmung über Arbeitszeit und Arbeitsumfang, eine nicht zu anstrengende Tätigkeit und eine faire Bezahlung. Das sind keine utopischen Forderungen. Das sind Gesprächsthemen, die in vielen Unternehmen noch nicht einmal angesprochen werden.

Coaching für Babyboomer und Unternehmen: Neue Perspektiven mit IPA- Coaches

Ob ihr als Boomer gerade an einem Karrierewendepunkt steht oder als Unternehmen den Wissenstransfer und die Bindung erfahrener Mitarbeitender aktiv gestalten wollt: Ursula Vranken und ihr Team begleitet euch dabei. Als Coach und Expertin für People Management unterstützt sie Einzelpersonen bei der Entwicklung neuer Karriereperspektiven, beim Wiedereinstieg und beim Finden der richtigen Rolle in der nächsten Berufsphase. Unternehmen und HR-Teams berät sie dabei, wie sie das Potenzial der Generation 50+ gezielt erkennen, fördern und langfristig im Betrieb halten können. Sprecht sie an, der erste Schritt lohnt sich.

Babyboomer sind ein unterschätzter Wettbewerbsvorteil

Erfahrene Fach- und Führungskräfte der Generation 50+ sind kein Auslaufmodell. Sie sind ein Erfahrungsschatz, den wir uns als Gesellschaft und als Unternehmen schlicht nicht leisten können zu verschwenden.

Wer jetzt handelt, sichert sich nicht nur Know-how. Er sendet ein Signal an alle Generationen im Unternehmen:

Hier zählt Leistung. Hier zählen Menschen. Hier zählt Erfahrung.

Das spüren übrigens alle, vom Azubi bis zur Geschäftsführung.


Ich freue mich über eure Erfahrungen, als Boomer, als Führungskraft oder als HR-Verantwortliche. Was funktioniert bei euch? Was nicht? Schreibt es in die Kommentare.

Chef-Titel weg nach der Reorganisation: Was tun, wenn das Unternehmen dich zum Klassensprecher degradiert?

Wenn nach einer Reorganisation der Chef-Titel plötzlich wegfällt, stellt das Führungskräfte vor mehr als nur eine organisatorische Frage. Wie Sie mit dem Verlust einer Führungsrolle umgehen und die richtigen Entscheidungen treffen, erfahren Sie in diesem Artikel.

Fallbeispiel

Peter musste erstmal schlucken.

Die Nachricht, dass seine Führungsrolle in der Transformation wegfallen würde, traf ihn unerwartet. Dabei hatte er die Reorganisation der letzten drei Monate maßgeblich mitgestaltet: Teams umgebaut, Kompetenzen aufgebaut, Mitarbeitende in andere Bereiche versetzt. Zu seinem Leidwesen hatte er auch Kündigungsgespräche geführt.

Das war alles andere als einfach, aber er hatte sich der Verantwortung gestellt. Er war loyal. Er hatte Überstunden gemacht, sich die Nächte um die Ohren geschlagen.

Sein Chef hatte das gesehen und anerkannt. Sie hatten viel gesprochen: über die neue Organisation, veränderte Rollen, KI-Tools, IT-Systeme und neue Sales-Strategien. Über fast alles.

Nur über eine Sache hatten sie nie gesprochen: Peters eigene Führungsrolle.

Das hätte ihn vielleicht skeptisch machen sollen.

Sprecher statt Chef – die Nachricht kam im Nebensatz

Während sie noch über den neuen Teamzuschnitt sprachen, ließ sein Chef die Information beiläufig fallen: Da nur noch sechs statt zwölf Mitarbeitende im Team seien, falle die Teamleiterrolle weg. Peter könne problemlos als Teammitglied weitermachen, allerdings nur in einer Art Sprecherfunktion.

Kein Einzelfall – Führungstitel verschwinden in der Transformation

Peters Geschichte ist kein Einzelfall. Ein prominentes Beispiel ist die aktuell größte Umorganisation des Industriekonzerns Siemens, bekannt als „One-Tech-Company-Programm“. Laut „Handelsblatt“ sollen dabei zahlreiche „Chief“-Titel abgeschafft werden, um den entstandenen Wildwuchs einzudämmen, der nicht mehr zu den neuen, schlankeren Strukturen passe.

Dieser Fall ist aufsehenerregend, aber keine Ausnahme. Immer wieder geraten Führungskräfte unter die Räder aktueller Transformationswellen.

Das Muster ist dabei erschreckend ähnlich: Zuerst sollen Führungskräfte die schweren Entscheidungen umsetzen, Konflikte moderieren, die Loyalität nach unten halten und gleichzeitig Botschaften von oben verkaufen, an die sie selbst vielleicht nicht mehr vollständig glauben. Sie machen das. Sie liefern. Und dann stellt sich heraus: Für die neue Welt, die sie mitgebaut haben, ist ihre Rolle nicht mehr vorgesehen.

Was mich an Peters Geschichte besonders beschäftigt: Es war keine Lüge, keine Intrige. Es war schlichtes Schweigen. Niemand hat gelogen, man hat es schlicht nie klar besprochen. Und dieses Schweigen hat eine Erwartungshaltung entstehen lassen, die dann bitter enttäuscht wurde.

Das ist kein schlechter Chef. Das ist eine schlechte Führungskultur.

Zur Wahrheit gehört allerdings auch: Peter hat nicht aktiv nachgefragt. Vielleicht war er sich zu sicher oder ihm fehlte schlicht der Glaube, dass es auch ihn treffen könnte. Ein fataler Fehler.

Die eigentliche Frage: Zurück ins Glied – geht das überhaupt?

Für Peter stellt sich nun eine Frage, die einfach klingt und es nicht ist:

Kann ich das? Und will ich das überhaupt?

Acht Jahre Führungserfahrung. Budgetverantwortung. Personalentscheidungen. Strategische Abstimmungen mit dem Management. Und jetzt: Teammitglied mit informeller Sprecherfunktion ohne formale Rolle, ohne entsprechende Vergütung, ohne Entscheidungsgewalt.Wie würden das die Kollegen sehen? Wäre das nicht ein Gesichtsverlust?

Chef-Titel und Identität – mehr als nur ein Job-Label

Das sage ich ohne Wertung: Für viele Menschen ist das keine reine Organisationsfrage, sondern eine Identitätsfrage. Wer lange geführt hat, für den ist „Führungskraft sein“ oft mehr als ein Jobtitel. Es ist ein Teil des Selbstbildes, der Art, wie man Verantwortung versteht, und eine Frage der eigenen Selbstwirksamkeit.

Einfach „zurückzugehen“ ist deshalb keine neutrale Entscheidung. Sie greift tief in die Persönlichkeit.

Gehen oder bleiben? 4 Schritte zur richtigen Entscheidung

Wenn ich mit Führungskräften in solchen Situationen arbeite, sind Ruhe und Sachlichkeit zunächst am wichtigsten. Ich rate dazu, nicht sofort zu reagieren und keine Entscheidungen zu treffen, die man später bereuen würde.

Denn der erste Impuls ist fast immer Wut, Frustration oder das Gefühl, alles hinzuschmeißen. Das sind schlechte Ratgeber für langfristige Karriereentscheidungen.

1. Gewinnen Sie Klarheit über das eigene Bild

Seien Sie ehrlich zu sich selbst und fragen Sie sich: Was will ich wirklich? Nicht, was Sie „sollten”, nicht, was Ihre Familie erwartet, nicht, was vernünftig klingt. Stattdessen fragen Sie sich was kann ich am besten und was macht mir Spaß? Ist Führung der einzige Weg für mich? Treffen Sie eine Entscheidung, die aus Klarheit entsteht, nicht aus Wut oder dem Gefühl der Demütigung.

2. Das Gespräch suchen mit der Personalabteilung

Peter muss, wie jeder in dieser Situation, das Gespräch mit seinem Chef und mit der Personalabteilung suchen, um zu klären, was die neue Rolle konkret bedeutet. Welche Verhandlungsspielräume gibt es noch? Wie sieht seine mittelfristige Perspektive im Unternehmen aus? Dabei sollte er nicht anklagend, aber klar und fordernd auftreten. Zudem muss jeder für sich klären, ob er oder sie bereit ist, den Preis (sozial und finanziell) für die Rückstufung zu zahlen.

3. Den Arbeitsmarkt im Blick behalten

Viele Jahre Führungsverantwortung sind kein Pappenstiel. Das ist Kapital auch außerhalb dieses Unternehmens. Es gibt viele Unternehmen, die nach engagierten Führungsexperten suchen. Schauen Sie sich unverbindlich um, ein Plan B kann in dieser Situation nicht schaden.

4. Unterstützung holen

Nicht weil man es allein nicht schafft. Sondern weil man in einer emotionalen Ausnahmesituation selten die besten strategischen Entscheidungen trifft. Gutes Coaching macht in dieser Phase den Unterschied zwischen einer Entscheidung aus Verletzung und einer Entscheidung aus Stärke.

Was lernen wir aus Peters Fall?

Drei Lektionen, die für Führungskräfte und Unternehmen gleichsam gelten:

1. Schweigen ist keine neutrale Haltung. Wer Führungskräfte in der Transformation einspannt, ohne über deren eigene Zukunft zu sprechen, sägt an Vertrauen und Loyalität. Das hat seinen Preis.

2. Wer liefert, darf auch fragen. Loyalität schützt nicht. Wer aktiv in einer Transformation mitarbeitet, sollte frühzeitig die eigene Rolle klären auch wenn es unbequem ist. Das ist kein Misstrauen, sondern Selbstverantwortung.

3. Wachsamkeit ist kein Alarmismus. Die Zeiten sind für alle Beschäftigten schwieriger geworden. Niemand kann sich sicher sein. Wer sich weiterbildet, engagiert arbeitet und mit Weitblick agiert für das Unternehmen und die eigene Karriere, ist besser aufgestellt, wenn Veränderungen kommen.


Transformationen brauchen engagierte Menschen, die sie gestalten. Seien Sie einer davon.
Aber verlieren Sie dabei sich selbst nicht aus dem Blick.


Führungskräfte im Hamsterrad: Warum Overload zur größten Organisationsgefahr wird – und was jetzt zu tun ist

Overload bei Führungskräften ist gefährlich

Welche Führungskraft kennt das Gefühl nicht: Wieder eine Reorganisation. Wieder ein großer Plan, der irgendwo weit oben entschieden wurde – ohne einen selbst. Das Board sitzt in einem anderen Land, vielleicht sogar auf einem anderen Kontinent. Die Eigentümer steuern nach Kennzahlen und Shareholder Value.
Und man selbst? Man hält den Laden am Laufen. Jeden Tag. Mit immer weniger Ressourcen, immer anspruchsvolleren Mitarbeitenden, wachsender Bürokratie und einer Digitalisierung, die im eigenen Unternehmen noch nicht wirklich angekommen ist.

In meiner Arbeit mit Führungskräften aus mittelständischen Unternehmen und Konzernen erlebe ich das in fast jedem Coaching-Gespräch: Die Nerven liegen blank und Erschöpfung macht sich breit. Und sie ist strukturell. Sie ist das Ergebnis von Organisationen, die Führungskräfte mit Anforderungen überhäufen, ohne ihnen ausreichend Handlungsspielraum, Entlastung oder Orientierung zu geben.

Das hat einen Namen: Overload. Und er ist gefährlicher, als viele Unternehmen ahnen.

Was die Zahlen sagen – und was ich in der Praxis sehe

Die Leadership Studie 2026 der Haufe Akademie bestätigt das Bild: 93,3 % der befragten Personalentwickler:innen bewerten die aktuelle Veränderungsdynamik für Führungskräfte als (eher) stark – 20,7 % davon sogar als sehr stark. Und die Führungskräfte selbst bestätigen das: 84,1 % nehmen aktuell eine hohe Veränderungsdynamik wahr. Führung findet also aus beiden Perspektiven klar unter dauerhaftem Veränderungsdruck statt – zusätzlich zum ohnehin schon vollen operativen Alltag.

Was ich selbst erlebe: Viele Führungskräfte kommen ins Coaching nicht mit einer konkreten Frage – sie kommen, weil sie nicht mehr klar denken können. Weil das Dringende das Wichtige längst verdrängt hat. Das ist kein Motivationsproblem. Das ist Overload.

5 Gründe, warum Overload bei Führungskräften gefährlich ist

1. Entscheidungen werden reaktiv statt strategisch

Überlastete Führungskräfte verlieren den Blick für Prioritäten. Sie reagieren nur noch – statt zu gestalten. Ich erlebe das regelmäßig in Gesprächen: „Ich weiß eigentlich, was wichtig wäre. Aber ich komme einfach nicht dazu.“ Das gefährdet die strategische Ausrichtung ganzer Abteilungen und schwächt die Organisation von innen heraus.

2. Der Puffer-Effekt bricht weg

Gute Führungskräfte sind Stabilisatoren: Sie fangen Druck ab, ordnen ein, geben ihrem Team Orientierung und Sicherheit. Bei Overload kippt genau dieser Effekt. Sie geben den Druck ungefiltert weiter – oder ziehen sich zurück. Beides ist toxisch für die Teamdynamik. Was oben nicht verarbeitet wird, landet ungefiltert unten.

3. Innovations- und Veränderungsfähigkeit sinkt

Wer im Dauerfeuer steht, hat keinen mentalen Raum für Neues. Overload erzeugt Tunnelblick: Nur noch das Dringende zählt, nicht das Wichtige. Und genau in dem Moment, in dem Unternehmen am meisten Wandlungsfähigkeit bräuchten – technologischer Wandel, KI, veränderte Arbeitswelten – fehlt die Führung, die diesen Wandel aktiv gestaltet.

4. Psychologische Sicherheit im Team leidet

Überlastete Führungskräfte kommunizieren kürzer, ungeduldiger, unklarer. Teams spüren das sofort. Die Folge: Unsicherheit, Fehlervermeidung, weniger Initiative. Mitarbeitende fragen sich: „Ist das gerade ein guter Moment?“ – und entscheiden sich zunehmend dafür, Dinge lieber nicht anzusprechen. Psychologische Sicherheit – laut Google-Forschung der entscheidende Faktor für Teamperformance – bricht weg.

5. Die eigene Handlungsfähigkeit schrumpft

Strukturelle Zwänge, erdrückenden Veränderungsdynamik plus Overload ergibt: weniger Spielraum, weniger Einfluss, weniger Wirksamkeit. Genau das macht die Rolle instabil – und erhöht das Risiko, selbst „unter die Räder“ zu geraten. Was ich dabei besonders beobachte: Viele Führungskräfte haben das Gefühl, keinen Einfluss mehr auf ihren eigenen Arbeitsplatz und Workload zu haben. Dieser Kontrollverlust ist einer der stärksten Risikofaktoren für Burnout.


„Der größte Irrtum in deutschen Führungsetagen: Wer noch funktioniert, ist noch okay. Ist er nicht. Erschöpfte Führungskräfte sind ein stilles Risiko – für ihre Teams, ihre Unternehmen, ihre Familien und zuletzt für sich selbst. Stille Risiken sind die gefährlichsten.“
Ursula Vranken


Was Unternehmen jetzt konkret tun müssen

Reden allein hilft nicht. Was hilft, sind strukturelle Maßnahmen – kombiniert mit echter Wertschätzung für die Menschen, die das Unternehmen täglich am Laufen halten.

1. Persönliche Unterstützung – nicht als Kür, sondern als Pflicht

Führungskräfte sind das Rückgrat jeder Organisation. Entsprechend brauchen sie persönliche Unterstützungsangebote: mehr Zeit, realistischere Ressourcen und – ganz konkret – persönliches Coaching. Nicht als Reaktion auf Krisen, sondern als reguläres Angebot. Führungskräfteentwicklung darf kein Luxus sein, den man sich „in ruhigeren Zeiten“ gönnt. Sie ist strategische Investition und hilft Change aktiv voranzutreiben.

2. Echte Beteiligung schaffen – im Alltag und bei großen Entscheidungen

Organisieren Sie Führungskräfte Meetings, bei denen es nicht nur um Kennzahlen, Druck und neue Quartalsziele geht. Schaffen Sie bewusst Raum für echten Austausch: Was brauchen Führungskräfte, um wirksam zu sein?  Welche strukturellen Hindernisse lähmen die Führungsarbeit? Das gilt genauso für Reorganisationen: Wer operative Führungskräfte dabei nicht einbindet, riskiert, dass selbst gute Konzepte an fehlender Akzeptanz scheitern. Etablieren Sie daher Formate der echten Partizipation – nicht als Show-Konsultation, sondern mit realem Einfluss.

3. Digitalisierung und Führungslast analysieren

Viele Unternehmen haben keine valide Datenbasis darüber, wie ihre Führungskräfte ihre Zeit tatsächlich verbringen. Führen Sie eine strukturierte Führungskräftebefragung durch – nicht als Stimmungsbarometer, sondern als seriöse Analyse. Was frisst Zeit? Was blockiert? Erst wenn man das weiß, kann man gezielt eingreifen. Und dann: handeln. Wenn ein Großteil der Führungszeit in operativer Verwaltung versickert, ist das kein persönliches Versagen – das ist ein Systemfehler. Schlanke Prozesse, Self-Service-Tools und KI-gestützte Assistenz für Routineaufgaben schaffen echte strukturelle Entlastung.

Mein Fazit: Führung ist kein Selbstläufer

Führungskräfte tragen heute eine Last, die in vielen Unternehmen systematisch unterschätzt wird. Sie sollen strategisch denken, operativ liefern, ihre Teams emotional unterstützen, Veränderung treiben – und dabei noch bitte belastbar bleiben.

Das ist kein realistisches Bild von Führung. Und es ist kein nachhaltiges.

Was ich in meiner Arbeit immer wieder erlebe: Führungskräfte, die Unterstützung bekommen – echte Unterstützung, kein Performance-Theater – entwickeln sich. Sie werden klarer, wirksamer, stabiler. Und sie führen auf einmal Teams, die sich das wieder merken.

Die Frage ist nicht, ob Ihr Unternehmen sich Führungskräfteentwicklung leisten kann. Die Frage ist, ob es sich leisten kann, es nicht zu tun.


Mehr erfahren über gute Führungskräfteentwicklung oder Business Coaching? Dann schauen Sie gerne hier nach oder rufen uns einfach an.


Wenn Führungskräfte gekündigt werden

Plan B ist kein Verrat – sondern der klügste Zug, den Sie gerade machen können.

Es trifft gerade genau die, die sich am sichersten glaubten. Abteilungsleiter, Bereichsleiter, Geschäftsführer – Manager, die jahrelang Verantwortung getragen, Teams aufgebaut und Unternehmen mitgestaltet haben. Sie erleben gerade eine Entlassungswelle, die in dieser Größenordnung neu ist.

49.000 Führungskräfte arbeitslos gemeldet (Deutschland 2025)+14 % Anstieg gegenüber Vorjahr – über dem Durchschnitt aller Berufsgruppen10 Jahre Höchststand seit Beginn der Datenerfassung im Jahr 2015

Diese Zahlen stammen aus einer aktuellen Analyse der Bundesagentur für Arbeit, über die das Handelsblatt berichtete. Und sie sind wahrscheinlich noch untertrieben: Wer lange Kündigungsfristen hat, freigestellt wurde oder sich als Interim-Manager selbstständig gemacht hat, taucht in dieser Statistik gar nicht auf. Die reale Zahl der Betroffenen dürfte deutlich höher liegen.

Die Lage ist ernst – und sie trifft die Falschen unvorbereitet

Was hinter den Zahlen steckt, ist strukturell: Unternehmen wollen sparen und schneller werden. Ganze Leitungsebenen fallen weg. Abteilungen werden zusammengelegt, Hierarchien abgeflacht. Das klingt nach Managementjargon – bis es plötzlich den eigenen Stuhl betrifft.

Dabei gibt es in der Regel Anzeichen. Ich erlebe es täglich in meiner Arbeit als Coach: Die meisten Führungskräfte sehen die Zeichen – aber sie wollen sie nicht wahrhaben. Die Quartalsberichte werden schwächer. Die Kommunikation aus der Geschäftsführung wird vager. Entscheidungen werden ohne die gewohnte Einbindung getroffen. Jemand aus dem eigenen Umfeld ist bereits gegangen.

TYPISCHE FRÜHWARNSIGNALE
Wie erkenne ich, ob mein Job gefährdet ist?

Restrukturierungsankündigungen, die die eigene Ebene tangieren
Zusammenlegung oder Verkleinerung von Abteilungen
Zunehmende Intransparenz und veränderte Kommunikationsmuster von oben
Kolleginnen und Kollegen auf ähnlichem Level verlassen das Unternehmen
Die eigene Rolle verliert an Entscheidungsspielraum oder Budget
Das eigene Bauchgefühl – ja genau- das trügt selten

Plan B fühlt sich falsch an – ist es aber nicht

Viele Führungskräfte, mit denen ich spreche, sagen mir: „Ich kann doch jetzt nicht anfangen, mich woanders umzuschauen. Das wäre doch Verrat.“ Das höre ich häufig. Und ich verstehe es. Man ist loyal. Man hat investiert. Man glaubt noch an das Unternehmen.

„Plan B ist kein Verrat. Es ist der klügste Zug, den Sie machen können – solange Sie ihn noch aus einer Position der Stärke heraus spielen.“
Ursula Vranken- IPA- Geschäftsführerin

Denn hier liegt der entscheidende Unterschied: Wer sich frühzeitig und unverbindlich auf dem Markt umschaut – und das kann auch innerhalb der eigenen Organisation sein, agiert noch als jemand mit Job, mit Titel, mit Mandat. Wer wartet, bis der Aufhebungsvertrag auf dem Tisch liegt, fängt unter maximalem Druck an – emotional, finanziell und strategisch.

Was die Zahlen über Jobsuche sagen

Andrea Nahles, Chefin der Bundesagentur für Arbeit, hat es Ende 2024 klar formuliert: Wer arbeitslos ist und eine Stelle sucht, hat derzeit so geringe Chancen wie seit Jahren nicht. Das gilt für alle – und für Führungskräfte in besonderem Maß. Nicht, weil sie weniger kompetent wären, sondern weil der Markt für Führungspositionen enger ist und Prozesse länger dauern.

Meine Einschätzung aus der Praxis: Die Chance, als Führungskraft innerhalb von drei Monaten eine adäquate neue Position zu finden, ist gering. Realistisch sind eher sechs bis zwölf Monate – je nach Branche, Niveau und Netzwerk. Wer dann aus der Arbeitslosigkeit heraus sucht, hat nicht nur weniger Zeit, sondern auch eine schwächere Verhandlungsposition.

Führungskraft von Kündigung bedroht- IPA Business Coaching

Was Sie jetzt tun können

ERSTE ORIENTIERUNG

  • Analysieren Sie nüchtern, wie sich die Lage in Ihrem Unternehmen entwickelt – ohne Schönfärberei.
  • Aktivieren Sie Ihr Netzwerk – nicht als Jobsuchende, sondern im Austausch. Was passiert gerade in Ihrer Branche?
  • Aktualisieren Sie Ihre Unterlagen: LinkedIn-Profil, Lebenslauf, Gesprächsbereitschaft.
  • Sondieren Sie den (internen & externen) Markt unverbindlich – welche Rollen, welche Unternehmen, welche Alternativen wären interessant?
  • Fragen Sie sich: Was wäre eigentlich mein nächster Schritt, wenn ich frei wählen könnte?

Und genau diese letzte Frage ist oft die schwierigste – weil viele Führungskräfte seit Jahren so sehr in ihrem Job aufgegangen sind, dass sie gar nicht mehr wissen, was sie eigentlich wollen. Das ist kein Versagen. Das ist menschlich. Aber es ist ein guter Grund, jetzt damit anzufangen, es herauszufinden.

Was Business Coaching hier leisten kann

In meiner Arbeit begleite ich Führungskräfte genau in dieser Phase: nicht erst, wenn der Schock eingetreten ist, sondern vorher. Im Coaching geht es darum, Klarheit zu gewinnen (mehr Infos hier) – über die eigene Situation, über das, was man wirklich will, und über realistische Optionen. Wir entwickeln gemeinsam einen Plan B, der nicht aus Panik, sondern aus Stärke entsteht.

Bereit, Ihren Plan B zu entwickeln?

Ein erstes Gespräch kostet nichts – außer dem Mut, ehrlich mit sich zu sein. Wenn Sie spüren, dass sich die Lage in Ihrem Unternehmen verändert, ist jetzt der beste Zeitpunkt, um proaktiv zu handeln.

Rufen Sie mich vertraulich an oder schreiben mir eine E-mail

(Quellen: Bundesagentur für Arbeit / Handelsblatt-Analyse (2025); Morgenpost.de; web.de / Andrea Nahles, Jahresrückblick 2024)


 1000 Euro Prämie: Gut gemeint – und trotzdem ein Motivationskiller

Ich komme viel rum in Unternehmen – spreche mit Geschäftsführern, Führungskräften und ganz normalen Mitarbeitenden. Und manchmal lernt man in einem einzigen Mitarbeiter-Meeting mehr über die Stimmung im Unternehmen als in langen Strategiesitzungen.

So geschehen kürzlich bei einem Meeting mit einem Mitarbeitergremium. Die Stimmung?
Erregt. Ernüchtert. Frustriert.

Der Auslöser: die angekündigte 1.000 Euro steuerfreie Prämie. Kaum war die Meldung draußen, hatten viele Mitarbeitende das Geld innerlich bereits verplant. Dann kam die Realität.

Dass bei 500 Beschäftigten schnell eine halbe Million Euro zusammenkommt, die irgendwo anders fehlt – nicht eingepreist. Dass Prämien üblicherweise etwas mit Leistung zu tun haben und nicht mit Wahlversprechen – in dem Moment vollkommen irrelevant. Und dass längst nicht jedes Unternehmen diese Last stemmen kann: Gerade in der aktuellen Wirtschaftslage arbeiten viele Betriebe an der Grenze der Wirtschaftlichkeit. „Verteilt werden kann nur, was zuvor erwirtschaftet wurde.“ (Handwerksblatt)

1000 Euro Prämie – ein Geschenk?

Kurz gedacht. Kurz gesprungen. Kurz gefrustet.

In meiner Arbeit erlebe ich immer wieder, dass viele Mitarbeitende keine langen Hintergrundberichte mit Fußnoten und Kleingedrucktem lesen. Sie bevorzugen das Klare und Kurze. In diesem Fall bedeutet das: Sie lesen die Überschrift – und die lautet sinngemäß: „1.000 Euro für alle.“ Die logische Konsequenz: Die Frage an die Chefs lautet: „Wann wird denn überweisen?”

Wenn die Unternehmensleitung dann zu erklären versucht, haben viele längst abgeschaltet. Was bleibt, ist das ungute Gefühl: Mir wird vorenthalten, was versprochen wurde. Ich bin enttäuscht. Nur dass der Arbeitgeber nie etwas versprochen hat.


1.000 Euro steuerfreie Prämie- ein Motivationskiller

Motivationskiller

Das ist kein Einzelfall – das ist ein Muster. Aus meiner Erfahrung mit Hunderten von Unternehmen weiß ich: Nichts untergräbt Motivation nachhaltiger als enttäuschte Erwartungen. Und nichts erzeugt enttäuschte Erwartungen schneller als politische Botschaften, die im Betriebsalltag ungefiltert ankommen.

Die Belegschaft wird unnötig gegen den eigenen Arbeitgeber aufgebracht – und Führungskräfte, die ohnehin schon mit Auftragslage, Kostendruck und der Einführung neuer Technologien jonglieren, dürfen sich nun auch noch um ein selbst erzeugtes Motivationsproblem kümmern.

Mein Appell an die Politik: Weniger Geschenke-Rhetorik, mehr echte Entlastung. Gezielte Weiterbildungsförderung. Weniger Bürokratie. Weniger Botschaften, die Hoffnungen wecken, die andere ausbaden müssen.

3 Empfehlungen für Führungskräfte, wenn das Prämienthema aufkommt:

1. Proaktiv kommunizieren – bevor Gerüchte die Runde machen.

Warten Sie nicht, bis die ersten Fragen kommen. Erklären Sie frühzeitig und klar, was eine politische Ankündigung für Ihr Unternehmen konkret bedeutet – oder eben nicht. Stille wird in solchen Momenten fast immer als schlechte Nachricht interpretiert.

2. Sachlich bleiben statt defensiv werden.

Der Frust richtet sich selten wirklich gegen Sie persönlich, auch wenn es sich mitunter so anfühlt. Hören Sie zu, nehmen Sie die Enttäuschung ernst – und erläutern Sie die wirtschaftliche Realität ruhig und ohne Rechtfertigungsdruck. Führungsstärke zeigt sich genau in solchen Momenten.

3. Den Fokus auf das lenken, was das Unternehmen schon leistet.

Nutzen Sie den Moment, um auf Ihre eigenen Stärken als Arbeitgeber hinzuweisen – Entwicklungsmöglichkeiten, Stabilität, Arbeitskultur. Was ein Unternehmen jeden Tag gibt, wiegt langfristig schwerer als das, was die Politik verspricht und nicht einlöst


Teamevent überleben: 5 Strategien, die garantiert nicht funktionieren

Teamevent überleben: 5 Strategien, die garantiert nicht funktionieren
Achtung: Stimmen aus dem Maschinenraum der Organisation. Schmunzeln erlaubt.

Jedes Jahr dasselbe Ritual: Die Kalendereinladung trudelt ein, Betreff „Gemeinsam wachsen – unser Teamevent 2026″, und die Idee dahinter ist wirklich gut gemeint. Zusammen raus aus dem Alltag, Vertrauen aufbauen, den Teamspirit anfeuern – wer kann da schon dagegen sein?

Es werden weder Kosten noch Mühen gescheut. Gut gemeint, aufwendig organisiert – und trotzdem nicht für jeden ein Geschenk. Denn es gibt sie, die Menschen, bei denen noch vor dem Öffnen des Anhangs das innere Kopfkino startet: Hochseilgarten? Kochkurs? Irgendwas mit Outdoor und Erlebnischarakter?
Für alle, die gerade ihren Ausstiegsplan schmieden: bitte weiterlesen. Und dann bitte nicht umsetzen.

Teamvent mit Fragen

Und während die Einladung noch offen im Browser steht, wächst das Unbehagen. Und mit ihm die Fragen:

Mein Chef – oder meine Chefin – hört mir das ganze Jahr nicht zu, ist nie erreichbar – und jetzt soll ich ausgerechnet mit ihr oder ihm über glühende Kohlen laufen?

Warum muss ich ausgerechnet beim Teamevent so tun, als wären wir beste Freunde – und Small Talk so hinbekommen, als wäre er keine Qual?

Klettern, Fahrrad fahren, Seilbrücken – muss ich meinen Körper wirklich in kompromittierenden Positionen vor dem gesamten Team präsentieren?

Und Kochen? Ich meide Messer, Küchenbrett und Töpfe auch privat – warum sollte das im Teamkontext plötzlich Spaß machen?

Wie soll ich das nur überleben?

Teambuilding ist kein Allheilmittel.

Hier meine fünf Strategien – mit Garantie auf maximalen Kollateralschaden:

1. Die strategische Krankheit

Die Allergie ist dieses Jahr besonders schlimm. Oder war es der Rücken? Die Erkältung, die sich seit Tagen ankündigt? Schicken Sie die Krankmeldung am Morgen des Events um 7:43 Uhr – kurz genug vor dem Start, um noch glaubwürdig zu wirken, aber zu spät für eine Umplanung. Ihr Team wird verstehen. Und wenn nicht – beim nächsten Teamevent. Oder übernächsten.

Kleiner Hinweis: Ihr Chef oder Ihre Chefin hat Instagram. Und Sie auch.

2. Die logistische Höhere Gewalt

Bahnstreik, Stau, Parkplatzsuche – die Klassiker. Sie erscheinen anderthalb Stunden zu spät, wenn alle bereits im Hochseilgarten hängen und keiner mehr freie Hände hat, Ihnen zu winken. Dass Sie direkt in die obligatorische Gruppenfoto-Session stolpern, war natürlich nicht einzuplanen.

Tipp für Fortgeschrittene: Googeln Sie vorher, ob die Strecke überhaupt stauanfällig ist.

3. Das Entspannungsexperiment

Hilft vielleicht ein kleines Beruhigungsmittel, um das Event aus entspannter Distanz zu genießen? Naheliegend. Aber praktisch werden Sie der Einzige sein, die beim Zwiebelschneiden wirklich weint – und das aus den falschen Gründen. Und schlafen beim Team-Dinner fällt auf.

Das Gruppenfoto mit Ihnen als schlafendem Koch wird unvergesslich. Versprochen.


Teamgeist lässt sich nicht verordnen – wer es trotzdem versucht, erntet Reaktanz statt Zusammenhalt.


4. Der radikale Ehrlichkeits-AngriffTeamgeist lässt sich nicht verordnen – wer es trotzdem versucht, erntet Reaktanz statt Zusammenhalt.

Einfach sagen, was man denkt: „Ich finde Teamevents künstlich und bringen mir nichts.“ Mutig. Ehrlich. Und der zuverlässige Startschuss für eine sehr ausführliche Diskussion über Ihre „Teamfähigkeit“ im nächsten Mitarbeitergespräch. Nichts schweißt ein Team so verlässlich zusammen wie ein gemeinsames Gesprächsthema – und das sind jetzt Sie.

Ehrlichkeit ist eine Tugend. Timing ist eine Kunst.

5. Das betonte Nicht-Mitmachen

Sie klettern nicht. Sie kochen nicht. Sie reden nicht über Privates. Arme verschränkt, Blick ins Leere, Körpersprache auf „Ich sitze meine Strafe ab“. Das Team spürt es. Die Führungskraft spürt es. Seltsam nur, dass Sie beim nächsten Strategie-Meeting auf der Teilnehmerliste fehlen. Zufall bestimmt.

Tipp für Fortgeschrittene: Wer beim Teamevent nicht mitmacht, übt schon mal für die große Abwesenheit.

Fazit: Kollateralschaden erfolgreich maximiert.

Prima, das Event wäre geschafft. Mit einem bleibenden Eindruck, den Sie sich vermutlich nicht gewünscht haben.

Was wirklich hilft: ankommen, eine Runde mitmachen, Small Talk in Minidosen dosieren – und akzeptieren, dass auch ein künstliches Setting manchmal echte Momente produziert. Und wenn Chef oder Chefin das ganze Jahr nicht zuhört: das Teamevent ist selten der richtige Ort für die Abrechnung. Aber vielleicht ein guter Anfang, um sie oder ihn zum ersten Mal auf neutralem Terrain zu erleben.

Disclaimer: Jede dieser Strategien hat schon Karrieren gebremst. Betrachten Sie das als Serviceinformation – kostenlos und aus gegebenem Anlass.


Tipp: Sie wollen die Sache strategisch anpacken, einen Workshop mit guten Inhalten und klaren Zielen und Strategien? Dann sprechen Sie uns gerne an oder lassen sich hier inspirieren.

Mitbestimmung ohne Betriebsrat – kann das klappen?

Nur sieben Prozent der Unternehmen in Deutschland haben einen Betriebsrat. „Auch in den 93 Prozent der Unternehmen braucht es ernst gemeinte Beteiligung“, erklärt Arbeitswissenschaftlerin Ursula Vranken im Gespräch mit Frederic M. Servatius.

Betriebe ohne Betriebsrat


Ein möglicher Grund für die Diskrepanz könnte in der Gesetzgebung liegen: „Ein Betriebsrat und die damit verbundene Bürokratie, Kosten und die vielen Regeln des BetrVG wirken oft abschreckend.“

Absatzwirtschaft Kolumnist Frederic M. Servatius beschreibt mit Ursula, wie Mitmachen und Mitgestalten auch ohne offiziellen Betriebsrat funktionieren kann.

Hier geht es zur Kolumne- ganz ohne Bezahlschranke.

Weltfrauentag – Feiern oder Heulen?

Eine Erfolgsgeschichte mit bitterem Beigeschmack

Zwischen Erfolg und Ernüchterung: Wir kommen voran, aber nicht schnell genug – besonders bei Gleichstellung, Führungschancen und fairen Arbeitsstrukturen für Frauen.

Deutschland feiert sich – aber zu früh

Deutschland klopft sich gern auf die Schulter. Fast drei von vier Frauen sind erwerbstätig – mehr als in Frankreich, fast so viele wie in Skandinavien. Das klingt nach Fortschritt. Ist es auch. Aber nur auf den ersten Blick. Denn Erwerbstätigkeit ist nicht gleich Erwerbstätigkeit.

Teilzeit: Die große deutsche Illusion

Ein Großteil dieser Frauen arbeitet Teilzeit. Laut aktueller Bertelsmann‑Studie ist Deutschland europäischer Spitzenreiter bei weiblicher Teilzeitarbeit. Millionen hochqualifizierter Frauen arbeiten zwanzig oder fünfundzwanzig Stunden – nicht, weil sie es frei gewählt haben, sondern weil Strukturen sie dazu zwingen.

  • Kita‑Schließzeiten, die an die 80er erinnern
  • fehlende Ganztagsbetreuung
  • ein Steuerrecht, das Zuverdienen bestraft

Das Ergebnis ist kein moderner Lebensentwurf. Es ist ein erzwungener Kompromiss, der als Freiheit verkauft wird.

Führungsetagen: Die gläserne Decke glänzt weiter

Auch in den Chefetagen bewegt sich wenig. Trotz gesetzlicher Quote liegt der Frauenanteil in vielen Aufsichtsräten noch immer unter dreißig Prozent. Talent ist reichlich vorhanden. Was fehlt, ist der Wille zur Veränderung – und zwar dort, wo Macht sitzt.

Die alte Rollenverteilung im neuen Gewand

Wenn Kinder kommen, treten Frauen zurück. Beruflich, finanziell, persönlich. Und dieses Zurücktreten wird gesellschaftlich nicht nur akzeptiert, sondern regelrecht belohnt:

  • Applaus für die aufopferungsvolle Mutter
  • Schweigen über den unveränderten Vater

Der Mann bleibt Hauptverdiener. Die Frau übernimmt die Doppelbelastung. Und beide nennen es „Einigung“.

Das ist kein Fortschritt. Das ist Stillstand mit freundlichem Gesicht.

Wir brauchen keine Frauenpolitik – wir brauchen Strukturpolitik

Solange Unternehmen Präsenzkultur feiern, flexible Arbeitszeit als Ausnahme behandeln und Führung ausschließlich in Vollzeit denken, wird sich wenig ändern. Frauen treten nicht zurück, weil sie es wollen. Sie treten zurück, weil das System es verlangt.

Homeoffice, Flexibilität, Teilzeitführung – das sind keine „Frauenthemen“. Das sind Wettbewerbsthemen. Das sind Zukunftsthemen. Das sind Strukturthemen.

Wer sie verweigert, entscheidet sich bewusst gegen Vielfalt und moderne Führung.

Weltfrauentag: Kein Feiertag, sondern ein Haltungstag

Der Weltfrauentag ist kein Tag für Statistiken und Selbstbeweihräucherung. Er ist ein Tag für Haltung.

Wir brauchen Unternehmen, die:

  • Führung in Teilzeit ermöglichen
  • Väter aktiv in Elternzeit schicken
  • Frauen nicht trotz Mutterschaft fördern, sondern unabhängig davon

Starke Frauen gibt es genug. Was fehlt, sind Strukturen, die sie nicht ausbremsen.

Feiern oder Heulen?

Vielleicht beides. Feiern, weil wir weit gekommen sind. Heulen, weil wir wissen, dass es noch nicht reicht.

Oder anders gesagt: Freuen – mit einer Träne im Auge.

Fortschritt ist da. Aber er ist noch lange nicht fertig.

Gute Führung als Wettbewersvorteil. Wie Arbeitgeber die Generation Z wirklich gewinnen

Stell dir vor, Führung funktioniert – und die GenZ bewirbt sich bei dir.

Und stellen Sie sich weiterhin vor, Sie scrollen durch die Jobbörsen, LinkedIn oder Xing und stoßen auf diese Anzeige:

Bei uns finden Sie die besten Führungskräfte, die Sie kriegen können. Deswegen wechseln Sie jetzt zu uns. Unsere Führungskräfte hören Ihnen zu, unterstützen Sie bei Ihrer Weiterentwicklung und beherrschen ihr Führungshandwerkszeug.

Klingt absurd? Genau hier liegt der Kern dessen, was Unternehmen heute brauchen, um die Generation Z als Fach- und Arbeitskräfte zu gewinnen.

Was die Forsa-XING-Studie 2026 über Jobwechsel und Generation Z zeigt

Die aktuelle Forsa-Studie vom Jan. 2026 im Auftrag von XING zeichnet ein eindeutiges Bild: Nur noch 34 Prozent der Beschäftigten können sich einen Jobwechsel vorstellen – der niedrigste Wert seit fünf Jahren. Die bemerkenswerte Ausnahme: Die Generation Z (1997–2012) bleibt mit rund 44 Prozent vergleichsweise wechselbereit. Während ältere Beschäftigte Sicherheit suchen, schauen junge Talente sich um – nach der richtigen Führung.

Was bedeutet das für Arbeitgeber konkret?


Während viele Unternehmen den Rückgang der allgemeinen Wechselbereitschaft als Entwarnung lesen, übersehen viele die entscheidende Ausnahme: Die jungen Talente, die morgen Fachkräfte sind, bleiben beweglich. Wer sie binden will, muss heute handeln und zwar beim Thema Führung.Hier entscheidet sich die Zukunftssicherung der Unternehmen.

Warum schlechte Führung der häufigste Grund für Jobwechsel ist

Die Studie zeigt: Zu den Hauptgründen für einen Wechsel zählen Stress und fehlende Aufstiegschancen. Dahinter steht fast immer ein Führungsthema. Stress entsteht durch schlechte Priorisierung und mangelnde Unterstützung. Fehlende Entwicklung bedeutet: Niemand kümmert sich.

Stress, fehlende Entwicklung, mangelnde Wertschätzung – was dahintersteckt

Die häufigsten führungsbedingten Kündigungsgründe laut Studienlage:

  • Mangelnde Unterstützung bei Problemen und Entscheidungen
  • Keine erkennbare Perspektive für persönliche Weiterentwicklung
  • Fehlende Wertschätzung und fehlende Kommunikation auf Augenhöhe
  • Mikromanagement statt Vertrauen und Selbstverantwortung

Was Generation Z von Führungskräften wirklich erwartet

Menschliche Resonanz statt polierter Fassade ist wichtig. Die GenZ durchschaut perfekte Employer-Branding-Kampagnen in Sekunden. Sie will echte Menschen, die führen können – Führungskräfte, die zuhören, Fehler zugeben und authentisch sind.

Authentizität schlägt Employer Branding – warum die GenZ Fassaden durchschaut

Echte Verbindung entsteht durch Authentizität. Nicht durch Floskeln im Leitbild, sondern durch Führungskräfte, die tatsächlich Zeit haben. Die verstehen, dass Führung heute bedeutet: Menschen befähigen, nicht kontrollieren.

Was wäre, wenn „gute Führungskraft“ kein Glücksfall, sondern Standard wäre? Die GenZ würde sich bewerben – weil gute Führung der Faktor ist, der alles andere möglich macht.

zentrale Kriterien bei der Arbeitgeberauswahl laut Forsa & Xing Studie

Führungsexzellenz als Antwort auf den Fachkräftemangel

Warum wirkt unsere fiktive Anzeige so ungewöhnlich? Weil Unternehmen mit Obstkorb werben, während Führungsqualität dem Zufall überlassen bleibt. Was wäre, wenn Unternehmen systematisch in Führung investieren würden? Wenn jede Führungskraft Coaching-Kompetenz hätte und die Balance zwischen Fördern und Fordern verstünde?


Was ist gute Führung? Eine Arbeitsdefinition für die Praxis:


Gute Führung bedeutet heute: zuhören, fördern, Orientierung geben und Vertrauen schenken – statt zu kontrollieren. Führungskräfte, die das beherrschen, senken Fluktuation, stärken die Mitarbeiterbindung und machen ihr Unternehmen für Talente aller Generationen attraktiv.


Dreifacher Nutzen: Was systematische Führungsentwicklung bringt

Unternehmen, die konsequent in Führungsqualität investieren, profitieren gleich dreifach: Sie senken Fluktuationskosten (ein Jobwechsel kostet je nach Rolle zwischen 50 % und 200 % eines Jahresgehalts), steigern die Produktivität durch psychologische Sicherheit im Team – und werden als Arbeitgeber weiterempfohlen. Mundpropaganda ist nach wie vor der stärkste Recruiting-Kanal.

Die GenZ will beides: Sicherheit UND Entwicklung. Stabilität UND Sinn. Das ist kein Widerspruch – wenn die Führung stimmt.

Fazit: Gute Führung ist kein Glücksfall, sondern eine Entscheidung

Die Frage ist nicht, ob die GenZ hohe Ansprüche hat. Die Frage ist, ob wir endlich den Mut haben, Führung so ernst zu nehmen, wie sie es verdient.

Denn dann würde die absurde Stellenanzeige vom Anfang plötzlich ganz normal klingen – und die GenZ würde sich bewerben.

Leadership-Entwicklung mit dem IPA: Führung systematisch stärken

Wie kann ich als Arbeitgeber durch Führungsqualität punkten? Durch systematische Leadership-Entwicklung, regelmäßiges Führungskräfte-Coaching und eine klare Kultur der psychologischen Sicherheit.

Möchten Sie diese Vision zur Realität machen? Gemeinsam mit Ihnen bauen wir vom IPA-Team die Führungskompetenzen auf, die Ihre Organisation zukunftsfähig machen und für die Generation Z attraktiv sind.


Lügen im Job: Wenn deine Mitarbeiter lügen, um Fehler zu kaschieren

„Das stimmt überhaupt nicht! Das war ich nicht!“ – Wenn dein sachlicher Hinweis auf einen Fehler plötzlich in einer lautstarken Abwehrschlacht endet, stehst du als Führungskraft meist fassungslos vor einer Wand aus Aggression und Unwahrheit.

Es ist dieser Moment, in dem die professionelle Maske fällt und nackte Angst oder Scham das Steuer übernehmen. Doch Vorsicht: Wenn du jetzt mit der Brechstange nach der „Wahrheit“ suchst, verlierst du nicht nur das Gespräch, sondern oft auch das Vertrauen deines gesamten Teams.

Lügen im Job sind selten bösartige Sabotage; sie können mehrere Ursachen haben. Sie können ein verzweifelter Schutzmechanismus in einer Kultur sein, in der Fehler noch immer als Schwäche gelten – oder aber auch in der Person selbst verursacht sein. Um diese Mauer zu durchbrechen, musst du verstehen, was hinter dem Gebrüll liegt.

Drei Motive: Warum Lügen als letzter Ausweg erscheinen

1. Die nackte Panik (Angst vor Konsequenzen)

  • Das Problem: Dein Gegenüber streitet alles ab, wird rot und behauptet lautstark, dass Daten manipuliert wurden.
  • Das Risiko für dich: Eine sachliche Analyse wird unmöglich. Die Lüge zerstört dein Vertrauen, die Aggression blockiert die Zusammenarbeit im Team.
  • Deine Lösung: Nimm das Tempo raus. Signalisiere eine „Fehlerkultur ohne Fallbeil“: „Mir geht es nicht um Bestrafung, sondern darum, wie wir den Prozess gemeinsam fixen.“

2. Das Perfektionismus-Gefängnis

  • Das Problem: Dein Mitarbeiter lügt, um sein makelloses Selbstbild zu retten. Der Fehler wird als Vernichtungsschlag gegen die eigene Identität empfunden.
  • Das Risiko für dich: Die Person ist nicht lernfähig, da sie den Fehler vor sich selbst nicht „zugeben“ darf. Die Lautstärke dient hier als Schutzschild.
  • Deine Lösung: Trenne die Leistung strikt von der Person. Bestätige zuerst den allgemeinen Wert des Mitarbeiters für dich und das Team, bevor du den spezifischen Punkt isoliert betrachtest.

3. Überlastung und Scham

  • Das Problem: Ein Fehler aus Erschöpfung wird durch Angriff kaschiert: „Ich mache keine Fehler, ihr gebt mir einfach zu viel Arbeit!“
  • Das Risiko für dich: Die Lüge verdeckt das eigentliche Problem – die strukturelle Überforderung oder ein drohendes Burnout in deinem Verantwortungsbereich.
  • Deine Lösung: Ursachenforschung statt Wahrheitskampf. Hinterfrage kritisch das Pensum und den Zeitdruck der letzten Wochen.

Mein Super-Tipp für dich: Der „Beobachter-Modus“

Wenn es laut wird, bleib so ruhig wie es geht. Dein wichtigstes Werkzeug ist jetzt deine Selbstbeherrschung: Gib deinen eigenen Gefühlen – etwa dem Impuls, das „Anlügen“ persönlich zu nehmen – keinen freien Lauf. Geh stattdessen in den Beobachter-Modus.

Analysiere nüchtern: Ist dieser Ausbruch ein einmaliger Ausrutscher unter extremem Stress oder ein wiederkehrendes Muster? Einmalige Fehler sind menschlich, aber eine dauerhafte Aggressions- und Lügenstrategie belastet dein gesamtes Teamklima massiv. Als Führungskraft ist es deine oberste Pflicht, dafür zu sorgen, dass sich alle in deinem Team sicher und wohl fühlen.

Netzwerk um Untersützung bitten

Wenn nichts mehr hilft: Sollte die Situation festgefahren sein oder drohen zu eskalieren, zögere nicht: Hole dir Rat durch das Personalwesen, einen neutralen Coach oder einen Arbeitspsychologen. Manchmal braucht es den Blick von außen, um eine tragfähige Lösung zu finden. Du musst als Führungskraft nicht alles allein lösen – dein betriebliches Netzwerk kann dich unterstützen.


Mehr Führungstipps gibt es hier: