Präsentismus aus Angst vor Mehrarbeit: Was Führung tun muss
Eine Freundin hat Gürtelrose und arbeitet trotzdem weiter. Sie fürchtet, nach der Krankheit noch mehr Arbeit vorzufinden, und hält das Weiterarbeiten deshalb für das kleinere Übel. Sie kennen das? Dann lesen Sie hier, warum Präsentismus alle Beteiligten teuer zu stehen kommt. Dazu zeige ich Ihnen drei konkrete Schritte, die Sie noch diese Woche umsetzen können.
Gürtelrose und trotzdem im Call
Neulich schrieb mir eine Freundin. Sie habe Gürtelrose. Ich rief sie sofort an, aber sie war nicht erreichbar. Zwei Stunden später kam ihre Antwort per WhatsApp: „Ich bin im Meeting und melde mich später.“ Ich war alarmiert und fassungslos.
Gürtelrose ist kein Schnupfen. Das Virus schlummert in den Nerven, und Stress weckt es auf. Es folgen Bläschen und brennende Schmerzen, meist zwei bis vier Wochen lang. Der Körper sagt deutlich: Sofort Pause.
Meine Freundin sieht das anders. Sie hat Angst, dass nach ihrer Rückkehr noch mehr auf dem Tisch liegt. Die Arbeit staut sich, und niemand nimmt sie ihr ab. Also macht sie lieber gleich weiter. Dazu sagt sie: „Ich arbeite ja gerne.“
Warum Freude an der Arbeit nicht schützt
Ich glaube ihr das. Sie brennt für ihren Job, und das schätze ich an ihr. Trotzdem ist es nicht das Thema. Auch wer gerne arbeitet, braucht Erholung. Eine Marathonläuferin liebt ihr Training, läuft aber nicht mit gerissener Muskelfaser.
Ihre Angst ist außerdem ein Warnsignal für die Organisation. Eine Abteilung läuft nur, weil eine Kranke durchhält. Das ist keine Loyalität mehr, sondern ein Strukturfehler. Wer krank arbeitet, hilft dem Team kurzfristig. Langfristig kostet es mehr und geht vor allem auf ihre Gesundheit. Und genau das habe ich ihr auch gesagt.
Krankheit hat nichts mit Schwäche zu tun, sondern mit Selbstverantwortung. Raubbau an uns selbst, ist nicht spaßig.
Woran Sie Präsentismus im Team erkennen
Vielleicht denken Sie gerade an Ihre eigene Abteilung. Oder an sich selbst. Diese Signale sollten Sie ernst nehmen.
Krankmeldung und E-Mails schreiben
Eine Führungskraft meldet sich krank. Um 22 Uhr beantwortet sie trotzdem Mails. Ihr Team liest das und lernt etwas: Wer krank arbeitet, gilt als zuverlässig.
Urlaub, der liegen bleibt
Prüfen Sie ab sofort die Resturlaubstage für 2026. Bei mehr als zehn offenen Tagen pro Person liegt ein Warnsignal vor. Schicken Sie die Person in den Urlaub.
Niemand kann vertreten
Oft fehlt außerdem eine Vertretung oder die Personaldecke ist insgesamt zu dünn. Dann hängt ein ganzer Bereich an einer Person, die sich nicht traut auszufallen. Verbessern Sie ihr Personalplanung oder optimieren Aufgaben und Prozesse- oder streichen Sie auch heraus.
Was Präsentismus Ihr Unternehmen kostet
Die Forschung nennt dieses Verhalten Präsentismus. Wer krank arbeitet, macht mehr Fehler und wird langsamer gesund. Fällt die Schlüsselkraft später drei Monate aus, leiden alle, und die Teamperformance sinkt sowieso.
Beschäftigte haben Anspruch auf sechs Wochen Entgeltfortzahlung. Dieses Recht existiert aus gutem Grund. Ihr Team lernt jedoch, es nicht zu nutzen.
Drei Schritte gegen Präsentismus in Ihrem Führungsalltag
Gesunde Führung beginnt bei Ihnen. Setzen Sie diese Schritte noch diese Woche um.
- Erstens: Gehen Sie voran. Sagen Sie im nächsten Meeting laut und deutlich: „Ich erwarte, dass jeder, der krank ist, zu Hause bleibt und nicht weiterarbeitet. Und das werde ich auch tun. Ohne Wenn und Aber.“ Fazit: Ihr Team beobachtet, was Sie tun. Ihre Worte zählen weniger.
- Zweitens: Regeln Sie die Vertretung. Benennen Sie für jede Schlüsselrolle eine Stellvertretung. Halten Sie alles schriftlich fest, und denken Sie dabei auch daran, die Urlaubszeiten einzuplanen.
- Drittens: Nehmen Sie die Arbeitslast ab. Sagen Sie Erkrankten klar, dass deren Aufgabenstapel intern verteilt wird. So verlieren sie die Angst vor dem Berg danach.
Sie möchten diese Regeln mit Ihrem Team entwickeln? Dann lesen Sie mehr über mein Führungskräfte Coaching.
Wie Sie sich selbst vor Stress und Überlastung schützen, erfahren Sie in meinem Artikel: Führungskräfte im Hamsterrad: Warum Overload zur größten Organisationsgefahr wird – und was jetzt zu tun ist.
Ihre Fragen, meine Antwort
Zum Schluss eine Frage an Sie: Wer übernimmt in Ihrem Team, falls Sie morgen ausfallen? Schreiben Sie mir Ihre Antwort in einem Satz, per Mail oder in den Kommentaren. Ich lese jede Antwort und melde mich persönlich.
Lesetipp

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