Wenn Führungskräfte gekündigt werden

Plan B ist kein Verrat – sondern der klügste Zug, den Sie gerade machen können.

Es trifft gerade genau die, die sich am sichersten glaubten. Abteilungsleiter, Bereichsleiter, Geschäftsführer – Manager, die jahrelang Verantwortung getragen, Teams aufgebaut und Unternehmen mitgestaltet haben. Sie erleben gerade eine Entlassungswelle, die in dieser Größenordnung neu ist.

49.000 Führungskräfte arbeitslos gemeldet (Deutschland 2025)+14 % Anstieg gegenüber Vorjahr – über dem Durchschnitt aller Berufsgruppen10 Jahre Höchststand seit Beginn der Datenerfassung im Jahr 2015

Diese Zahlen stammen aus einer aktuellen Analyse der Bundesagentur für Arbeit, über die das Handelsblatt berichtete. Und sie sind wahrscheinlich noch untertrieben: Wer lange Kündigungsfristen hat, freigestellt wurde oder sich als Interim-Manager selbstständig gemacht hat, taucht in dieser Statistik gar nicht auf. Die reale Zahl der Betroffenen dürfte deutlich höher liegen.

Die Lage ist ernst – und sie trifft die Falschen unvorbereitet

Was hinter den Zahlen steckt, ist strukturell: Unternehmen wollen sparen und schneller werden. Ganze Leitungsebenen fallen weg. Abteilungen werden zusammengelegt, Hierarchien abgeflacht. Das klingt nach Managementjargon – bis es plötzlich den eigenen Stuhl betrifft.

Dabei gibt es in der Regel Anzeichen. Ich erlebe es täglich in meiner Arbeit als Coach: Die meisten Führungskräfte sehen die Zeichen – aber sie wollen sie nicht wahrhaben. Die Quartalsberichte werden schwächer. Die Kommunikation aus der Geschäftsführung wird vager. Entscheidungen werden ohne die gewohnte Einbindung getroffen. Jemand aus dem eigenen Umfeld ist bereits gegangen.

TYPISCHE FRÜHWARNSIGNALE
Wie erkenne ich, ob mein Job gefährdet ist?

Restrukturierungsankündigungen, die die eigene Ebene tangieren
Zusammenlegung oder Verkleinerung von Abteilungen
Zunehmende Intransparenz und veränderte Kommunikationsmuster von oben
Kolleginnen und Kollegen auf ähnlichem Level verlassen das Unternehmen
Die eigene Rolle verliert an Entscheidungsspielraum oder Budget
Das eigene Bauchgefühl – ja genau- das trügt selten

Plan B fühlt sich falsch an – ist es aber nicht

Viele Führungskräfte, mit denen ich spreche, sagen mir: „Ich kann doch jetzt nicht anfangen, mich woanders umzuschauen. Das wäre doch Verrat.“ Das höre ich häufig. Und ich verstehe es. Man ist loyal. Man hat investiert. Man glaubt noch an das Unternehmen.

„Plan B ist kein Verrat. Es ist der klügste Zug, den Sie machen können – solange Sie ihn noch aus einer Position der Stärke heraus spielen.“
Ursula Vranken- IPA- Geschäftsführerin

Denn hier liegt der entscheidende Unterschied: Wer sich frühzeitig und unverbindlich auf dem Markt umschaut – und das kann auch innerhalb der eigenen Organisation sein, agiert noch als jemand mit Job, mit Titel, mit Mandat. Wer wartet, bis der Aufhebungsvertrag auf dem Tisch liegt, fängt unter maximalem Druck an – emotional, finanziell und strategisch.

Was die Zahlen über Jobsuche sagen

Andrea Nahles, Chefin der Bundesagentur für Arbeit, hat es Ende 2024 klar formuliert: Wer arbeitslos ist und eine Stelle sucht, hat derzeit so geringe Chancen wie seit Jahren nicht. Das gilt für alle – und für Führungskräfte in besonderem Maß. Nicht, weil sie weniger kompetent wären, sondern weil der Markt für Führungspositionen enger ist und Prozesse länger dauern.

Meine Einschätzung aus der Praxis: Die Chance, als Führungskraft innerhalb von drei Monaten eine adäquate neue Position zu finden, ist gering. Realistisch sind eher sechs bis zwölf Monate – je nach Branche, Niveau und Netzwerk. Wer dann aus der Arbeitslosigkeit heraus sucht, hat nicht nur weniger Zeit, sondern auch eine schwächere Verhandlungsposition.

Führungskraft von Kündigung bedroht- IPA Business Coaching

Was Sie jetzt tun können

ERSTE ORIENTIERUNG

  • Analysieren Sie nüchtern, wie sich die Lage in Ihrem Unternehmen entwickelt – ohne Schönfärberei.
  • Aktivieren Sie Ihr Netzwerk – nicht als Jobsuchende, sondern im Austausch. Was passiert gerade in Ihrer Branche?
  • Aktualisieren Sie Ihre Unterlagen: LinkedIn-Profil, Lebenslauf, Gesprächsbereitschaft.
  • Sondieren Sie den (internen & externen) Markt unverbindlich – welche Rollen, welche Unternehmen, welche Alternativen wären interessant?
  • Fragen Sie sich: Was wäre eigentlich mein nächster Schritt, wenn ich frei wählen könnte?

Und genau diese letzte Frage ist oft die schwierigste – weil viele Führungskräfte seit Jahren so sehr in ihrem Job aufgegangen sind, dass sie gar nicht mehr wissen, was sie eigentlich wollen. Das ist kein Versagen. Das ist menschlich. Aber es ist ein guter Grund, jetzt damit anzufangen, es herauszufinden.

Was Business Coaching hier leisten kann

In meiner Arbeit begleite ich Führungskräfte genau in dieser Phase: nicht erst, wenn der Schock eingetreten ist, sondern vorher. Im Coaching geht es darum, Klarheit zu gewinnen (mehr Infos hier) – über die eigene Situation, über das, was man wirklich will, und über realistische Optionen. Wir entwickeln gemeinsam einen Plan B, der nicht aus Panik, sondern aus Stärke entsteht.

Bereit, Ihren Plan B zu entwickeln?

Ein erstes Gespräch kostet nichts – außer dem Mut, ehrlich mit sich zu sein. Wenn Sie spüren, dass sich die Lage in Ihrem Unternehmen verändert, ist jetzt der beste Zeitpunkt, um proaktiv zu handeln.

Rufen Sie mich vertraulich an oder schreiben mir eine E-mail

(Quellen: Bundesagentur für Arbeit / Handelsblatt-Analyse (2025); Morgenpost.de; web.de / Andrea Nahles, Jahresrückblick 2024)