Schluss mit der Firmen-Geliebten. Stand.Punkt

„Wozu die Familie besuchen oder Freunde treffen? Ich habe doch die Firma?“ Solche Aussagen kommen mir in letzter Zeit immer wieder unter. Viele Mitarbeitende fühlen sich besonders eng mit ihrer Firma verbunden. Es ist fast wie bei einer Affäre, bei der oder die Geliebte jede freie Minute aus ihnen heraussaugt. Das ist gefährlich. Anfangs ist alles noch betörend. Doch auf Dauer droht der Zusammenbruch, weil alles zu viel wird. Mein Rat: Machen Sie Schluss, bevor es zu spät ist.

In der New-Work-Welt heißt das süße Gift: Aufmerksamkeit und Wertschätzung. Die Arbeitswelt hat sich in den letzten Jahren komplett verändert. Chefs sind wie Kumpels, kommen in Sneakers und lässigen Klamotten ins Büro und Teams arbeiten auf Augenhöhe. Keiner sagt was, wenn Meetings auch mal ins Persönliche abdriften. On top gibt’s coole Gadgets, noch coolere Büros, die Arbeit am „Next Big Thing“ und spannende Klienten. Soweit die Idealvorstellung von New Work.

24/7 Dauerstress

Realiter sieht es aber auch ganz oft so aus: Wir arbeiten seit Corona die meiste Zeit im Homeoffice, tauchen quasi 24/7 in eine virtuelle Welt aus Dauermeetings, Chats und E-Mail-Fluten ab. Morgens stehen wir mit den Kollegen aus Asien auf und gehen abends mit den amerikanischen Kollegen ins Bett. Und das meine ich durchaus ernst. Denn die Gedanken enden nicht mit dem letzten Call – spätestestens seit dem uns der Ukraine Krieg  zusätzlich Sorgen bereitet.

Weil das Zuhause und die Arbeit immer mehr miteinander verschmelzen, fällt es zunehmend schwer loszulassen. Der Schlaf kommt zu kurz, ist unruhig und Abschalten fällt schwer. Denn in der neuen Arbeitswelt ist alles wichtig, alle zerren an den Timelines. Und wenn der Druck nicht vom Vorgesetzten kommt, dann vom Projektmanager oder vom Kunden. An diesem Punkt entfaltet die Geliebte ihre zerstörerische Kraft.

Schluss mit der Firmen-Geliebten

Viele Arbeitnehmende sind mehr und mehr in ihrer virtuellen Kommunikationsblase gefangen. Freunde und Freundinnen haben kaum eine Chance, durchzudringen. Das Privatleben liegt auf Eis. Die Geliebte, äh, die Firma, ist zu laut, macht zu viel Radau und ist längst omnipräsent. Ich beobachte diese Entwicklung immer häufiger und mit wachsender Sorge.

Gehen Sie mal in sich! Wann hatten Sie den letzten netten Abend mit Freunden? Wann haben Sie sich Zeit genommen, um Ihren besten Kumpel oder Ihre beste Freundin anzurufen oder spazieren zu gehen? Einfach, um mal hören, wie es so läuft. Sind seitdem zwei oder gar vier Monate ins Land gezogen?

Corona hat viel zunichte gemacht

Das Fatale: Was die Firmen-Geliebte nicht an sich gerissen hat, hat Corona zunichte gemacht. Das gemeinsame Joggen, Tanzen und Tennis – alles dahin. Stattdessen Yoga – allein im Wohnzimmer und wieder vor der Kamera. Und jetzt auch noch der Krieg in der Ukraine – in den Nachrichten viel Leid und Zerstörung und überdies die Angst vor einer sich anbahnenden Nuklearkatastrophe. Die Energiepreise sind bereits in die Höhe geschossen, das heiß geliebte Auto bleibt deswegen immer öfter in der Garage stehen. Sonntagsfahrten sind gestrichen.


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Psychische Gesundheit gefährdet

Da bietet sich das das weitere Verkriechen in Mails und Meetings an – und weiter geht die Abwärtsspirale mit der Firmengeliebten. Wenn Sie jetzt denken: „Ja, genauso geht es mir.“ Dann ist es höchste Zeit, etwas zu ändern! Aus Studien wissen wir, wie wichtig sozialer Austausch, Zeit für Privates und Abschalten für die psychische Balance ist. Und wie schnell selbst sehr resiliente Menschen in einen Burn-Out rutschen, die es selbst nie für möglich gehalten haben.

Für eine Untersuchung wurden fast 900 Supervisoren nach ihrer Einschätzung zur aktuellen Arbeitsbelastung befragt. Das Ergebnis erschreckt: Über alle Branchen hinweg sind die Arbeitsbedingungen so, dass viele Beschäftigte ihre psychische Gesundheit riskieren.

Also: Fangen Sie noch heute an, sich um ihren Partner oder Ihre Partnerin zu kümmern. Treffen Sie Freunde und Familie, reservieren Sie einen Tisch im Restaurant, kochen Sie etwas, laden Sie sie ein! Und vergessen Sie auch nicht, sich um sich selbst zu kümmern! Kramen Sie die Karte vom Fitness-Club heraus. Überwinden Sie Ihren inneren Schweinehund. Oder machen Sie zur Abwechslung einfach mal NICHTS – einen ganzen lieben langen Tag.

Leadership gefragt

Sind Sie Entscheider oder Führungskraft? Dann sollten Sie jetzt in Ihre Organisationskultur investieren, um das Burnout-Risiko in Ihrem Unternehmen zu senken. Als einer der einflussreichsten Faktoren kommt es hierbei vor allem auf das Verhalten und die Einstellung Ihrer Vorgesetzten an. Sie sind es, die mit viel zu engen Timelines den Druck im Kessel erzeugen. Gestalten Sie die neue Arbeitswelt gemeinsam mit Ihrem Team, finden Sie heraus, wo Über- oder Unterbelastung besteht und wer Unterstützung, Training oder Coaching braucht. Helfen Sie Ihren Teammitgliedern so, sich von ihrer zerstörerischen Leidenschaft zu trennen.


Tipp :

Unser individueller Workshop zum Thema Stressmanagement und Resilenz:

  • Einstieg zum Thema Resilenz
  • Stress – was ist das und wie entsteht er?
  • Die Stressampel – Fokus mentaler Stress
  • aktives Stressmanagement auf unterschiedlichen Ebenen
  • Reflexion und Thesen über Berufs- und Lebenserfolg
  • Durchführung individueller Kurzanalysen
  • Austausch Tipps für Spaß und Power in der Führungsarbeit

Fragen Sie gerne Ihren Wunschtermin und Setting (Workshop oder Coaching) an. Wir sind für Sie da.